Die Baubranche muss mit der Digitalisierung Schritt halten

Die Bauindustrie hängt bei der Digitalisierung hinterher. Bisher wurden die Potenziale digitaler Technologien in der Baubranche noch nicht ausreichend genutzt. Dabei können digitale Werkzeuge helfen, Prozesse zu optimieren und Aufgaben zu automatisieren. Dadurch können Kosten gespart und Fehlerkosten vermieden werden.

Auch Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., bemängelte den Digitalisierungsgrad der Bauindustrie. Erst vor einigen Wochen, berichtete die Fachzeitung für die Immobilienwirtschaft, wie der Verbandspräsident auf dem Aareon-Kongress die schwache Produktionsentwicklung der Bauindustrie scharf kritisierte. Er bemängelte die technologische Rückständigkeit der Baubranche und sieht diese als ein massives Hindernis für kostengünstige Neubauten. Digitale und automatisierte Prozesse würden letztlich auch zu einer Kostensenkung führen, da auch der Aufwand und der Personalbedarf durch technische Mittel sinkt und die Gesamtleistung der Baubranchen sich erhöht. Die Baubranche befindet sich in einer Umbruchphase und muss in puncto Digitalisierung zur Tat schreiten.

Konsequenzen mangelnder Digitalisierung im Bau

Insbesondere Bauunternehmen stehen unter dem Druck, die Effizienz in allen Geschäftsprozessen zu verbessern, nicht nur um kostengünstigen Wohnraum zu schaffen, sondern um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Das trifft gleichermaßen auf Bauunternehmen als auch Baukonzerne zu. Mit der Größe der Bauprojekte, steigt die Komplexität und damit auch die Zahl der am Projekt beteiligten Parteien. Den Überblick bei zahlreichen Projektbeteiligten zu behalten, gestaltet sich noch schwieriger. Dies führt oft zu intransparenten Entscheidungsprozessen, Unsicherheiten in der Planung und zu Kostenunübersichtlichkeit. Bekannte Beispiele dafür sind der Berliner Flughafen oder die Hamburger Elbphilharmonie.

Eine Studie von BauInfoConsult zeigte, dass mangelnde Baudokumentation und nicht nachvollziehbare Kommunikation deutsche Bauunternehmen Milliarden kosten könnten. BauinfoConsult hat 2017 Architekten, Bauunternehmer, Installateure und Maler/Trockenbauer befragt, wie viele Fehlerkosten durch z.B. Berechnungsfehler oder unzureichende oder falsche Kommunikation im Jahre 2016 entstanden sind. Laut Schätzungen beträgt der Fehlerkostenanteil bei Bauprojekten ca. 12,5 % des gesamten Branchenumsatzes, was bedeutet das 13,4 Milliarden Euro 2016 im Bau-Nirvana verschwanden. Die Studie wurde 2018 erneut durchgeführt und verdeutlichte, dass auch ein Jahr später, keine Besserung stattfand – im Gegenteil. 2017 ist der Fehlerkostenanteil sogar auf 13,6 % gestiegen! Bezogen auf den für 2017 statistisch erfassten Umsatz im Bauhauptgewerbe sind deutschlandweit somit 14,9 Milliarden Euro Fehlerkosten entstanden. Dabei können durch clever eingesetzte digitale Werkzeuge genau diese explodierenden Fehlerkosten vermieden werden.

Keine Angst vor der Digitalisierung

Laut einer PwC-Analyse setzte 2018 noch nicht einmal jedes zehnte deutsche Bauunternehmen auf Building Information Modeling. Dabei spart eine Baudokumentationssoftware Zeit und Kosten und erhöht zudem die Transparenz. Aber gerade das Thema BIM stellt für viele Bauunternehmen noch eine große Hürde dar und ist nicht wirklich greifbar: „Was ist eigentlich BIM?“ – viele Missverständnisse und Mythen ranken sich um dieses Thema. Hier ist Aufklärungsbedarf nötig.

Digitales BIM (Building Information Modeling) ist als ein Vorgehen zur digitalen Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden zu verstehen. Dabei werden alle relevanten Gebäudedaten digital erfasst und vernetzt. BIM findet Anwendung sowohl in der Bauplanung und Bauausführung, als auch im Facility Management. Es erlaubt die Vernetzung aller Beteiligten über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes. Dies macht eine Umstrukturierung der bestehenden Prozesse und klar definierte Konventionen erforderlich, was Baubetriebe vor neue Herausforderungen stellt und diese sich daher dem Thema BIM eher vorsichtig nähern und eine abwartende Haltung einnehmen.

Jedoch kann schon der Einsatz von digitalen Werkzeugen in Teilbereichen erhebliche Vorteile mit sich bringen und den Einstieg in das Thema BIM erleichtern. Die Digitalisierung der Bauprozesse bis hin zum digitalen BIM kann schrittweise erfolgen und muss nicht für Überforderung seitens aller Beteiligten führen. Viele deutsche Bauunternehmen befürchten, dass durch eine Umstrukturierung bestehender Prozesse ihr Tagesgeschäft und Unternehmensalltag durchbrochen wird. Digitalisierung ist aber nicht als ein Ereignis zu verstehen, es ist ein Prozess und eine strategische und unternehmerische Entscheidung. Ein Prozess, der in den Unternehmensalltag schrittweise integriert werden kann: Beginnend mit der Digitalisierung bestehender Unterlagen, weiterführend zu einem der wichtigsten Schritte, der Optimierung von Unternehmens- und Projektabläufen sowie der Datenstrukturen im Unternehmen.

Unstrukturierte Prozesse erhalten durch die Digitalisierung nicht automatisch eine zielführende Struktur. Es braucht eine umfassende Beratung, die auf die unterschiedlichen Anforderungen und Herausforderungen der Branche abgestimmt wird. Anhand eines virtuellen Datenmanagements können dann beispielsweise komplizierte Prozessabläufe durch Workflows vereinfacht werden, Daten revisionssicher abgelegt und parallel an Dokumenten gearbeitet werden. So erleichtert ein virtueller Projektraum die notwendigen Schritte in die Digitalisierung zu gehen und vereinfacht die Einführung neuer Prozesse und Datenstrukturen.

Die PMG unterstützt bei der digitalen Standortbestimmung, der Prozessoptimierung und dem Datenmanagement. Zudem berät sie Unternehmen bei der Auswahl der Projektraum-Module und bietet BIM-fähige und zukunftsorientierte Lösungen. Bauunternehmen werden so bei der Implementierung und Optimierung digitaler Lösungen begleitet und können das Thema Digitalisierung und BIM schrittweise einführen, ohne dass das Tagesgeschäft darunter leidet.