Neue Umfrage zum EU-Datenschutz: das meinen Unternehmer

Seit dem 25. Mai ist die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) wirksam. Selten hat eine europäische Richtlinie eine ähnlich emotionale Kontroverse ausgelöst. Und jetzt? Wie sehen deutsche Unternehmen die aktuelle Situation? Wurde in Brüssel tatsächlich ein Innovationen bremsendes Bürokratiemonster geschaffen? Mit den Daten von Statista und Technology Review wagen wir sechs Wochen nach Inkrafttreten eine erste Standortbestimmung.

Marion Funk
Marion Funk
Gepostet am in Studien
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Laut dieser Studie hatte sich bis zum Stichtag erst ein Viertel der Unternehmen in Deutschland den neuen Regeln vollständig angepasst, jedes dritte Unternehmen hatte das zum größten Teil erledigt und fast ebenso viele zumindest teilweise. Höchstwahrscheinlich der Grund, warum bei über 40 Prozent kulante Behörden durchaus willkommen sind, denn so viele sprechen sich für eine Verlängerung der Übergangsfrist aus, sogar knapp die Hälfte wünscht sich, bei Verstößen zunächst ungestraft nachbessern zu dürfen. Bezeichnenderweise beklagen 56 Prozent der Unternehmen eine zunehmende Rechtsunsicherheit, 14 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. So bleibt festzuhalten, dass eine Maßnahme, die eigentlich dazu dienen soll, die Rechtsunsicherheit des Verbrauchers zu mindern, bei Unternehmen bis jetzt oft genau das Gegenteil bewirkt. Rund zwei Drittel der befragten Unternehmen erwarten zudem dauerhaft mehr oder sogar deutlich mehr Arbeitsaufwand.

Bei der Bewertung, ob die neue Datenschutz-Grundverordnung eher einen Wettbewerbsvorteil oder einen Nachteil bringt, gehen die Meinungen auseinander. Sieben von zehn Unternehmen erwarten einheitlichere Wettbewerbsbedingungen, immerhin gut die Hälfte einen Wettbewerbsvorteil für deutsche Unternehmen, für europäische Unternehmen ganze 70 Prozent. Weil Branchengiganten wie Google viel investiert haben, um die neuen Regeln zu erfüllen, könnten diese möglicherweise bald zum internationalen Standard werden, so wird vermutet. US-Politiker sehen die neuen Bestimmungen bereits als mögliches Vorbild eines Qualitätssiegels.

In rund der Hälfte der Unternehmen geht man hingegen weiter davon aus, dass Geschäftsprozesse in Zukunft kompliziert bleiben oder noch komplizierter werden. Und mehr als in jedem dritten Unternehmen rechnet man damit, dass die DSGVO die Digitalisierung in Europa sogar bremst. Ebenfalls sieht jedes dritte Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen. Für fast ein Zehntel stellt die Verordnung sogar eine Gefahr für die eigene Geschäftstätigkeit dar. Angesichts der großen Anzahl an DSGVO-Beschwerden „kann man sagen, dass momentan eine Erschütterung durch die Datenschutzbehörden geht“, so der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. „Die Aktenberge sind schlagartig angewachsen.“

Noch ist es zu früh für eine konkrete Bestandsanalyse, aber die Angst vor einer Katastrophe war sicherlich unbegründet. Bei vielen Unternehmen hat die Neuordnung des Datenschutzes hingegen so etwas wie eine digitale Inventur ausgelöst und dem Umgang mit personenbezogenen Daten die Aufmerksamkeit verliehen, die er verdient – nicht nur beim Datenschutzbeauftragten, sondern bis hinauf in den Vorstand. Und auch viele Verbraucher wurden dadurch erst wieder erinnert, darauf zu achten, wo sie ihre Daten hinterlassen. Bleibt die Frage, warum sich erst so wenige Unternehmen vollständig an die neuen Datenschutzregeln angepasst haben. Waren zwei Jahre als Frist einfach zu kurz? Die Antwort: Nein, denn überall dort, wo Menschen arbeiten, wird auch menschlich gearbeitet: Viele machen eben einfach alles auf den letzten Drücker. Oder reagieren bewusst erst, wenn es zu spät ist. Also: Auch, wenn einige Unternehmen mit den neuen Regeln noch nicht richtig warm werden – mittel- und langfristig sollte die DSGVO jedoch kein wirtschaftliches Hindernis darstellen.

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Stephan Seidenberger
PMG | Head of Sales
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